
Alexandra Stark, Journalistin, Beraterin und Dozentin, zeigte im Webinar der Edito Academy, wie sich repetitive Aufgaben im Redaktionsalltag systematisch an Chatbots delegieren lassen – und wie damit Stress reduziert wird. Stark arbeitet bei CH Media im Team «KI-Transformation & Automatisierung» und versteht sich als Übersetzerin zwischen den Welten des Journalismus und der Technologie. Ausgangspunkt war die Feststellung: Stress entsteht im Alltag oft durch repetitive Aufgaben. Repetitive Aufgaben folgen Regeln. Was Regeln folgt, lässt sich delegieren. Das ist das Grundprinzip ihrer Überlegungen.
Alexandra Stark skizzierte zunächst die neue Arbeitsteilung zwischen Mensch, Chatbot und Maschine. Klassische Automatisierung und KI-Chatbots sind nicht dasselbe: Der Chatbot besetzt eine Zwischenposition: flexibler als eine deterministische Maschine, aber klar abgegrenzt von der menschlichen Kernarbeit. Das Ziel der Delegation: Wer weniger Stress hat, schafft leichter Mehrwert, den nur Menschen bieten können, also Emotionalität, Authentizität, lokaler Bezug. Die Formel ist einfach: Du bist Chef:in, die KI ist Assistent:in.
Den Kern des Webinars bildete die praktische Frage: Ist der Chatbot überhaupt das richtige Instrument? Stark präsentierte dazu zwei Entscheidungs-Flussdiagramme. Das erste prüft, ob eine Aufgabe für den Chatbot geeignet ist: Kann die Frage mit Wahrscheinlichkeiten beantwortet werden? Falls ja, ist der Chatbot richtig. Falls nein, braucht es eine Suchmaschine, einen direkten Aufruf oder klassische Mittel wie Telefon und Archiv. Das zweite Flussdiagramm klärt die Verantwortungsfrage: Muss das Resultat stimmen? Nur wer die Expertise hat, Antworten zu verifizieren, und bereit ist, die Verantwortung zu tragen, sollte den Chatbot einsetzen. Sonst gilt: Finger weg. Dazu das zentrale Credo: Alle Antworten von Chatbots müssen kontrolliert und verifiziert werden. Alle. Immer. Selbst dann, wenn sie Sinn machen. Stark empfahl als Faustregel: 80 Prozent übernimmt die KI, 20 Prozent bleiben beim Menschen, insbesondere Prüfung, Urteil und Verantwortung.
Stark stellte drei Methoden vor, um Chatbots für redaktionelle Aufgaben zu konfigurieren:
- Erstens die bestehenden Regeln direkt eingeben, wenn diese bekannt sind.
- Zweitens den Chatbot nach einer geeigneten Methode fragen, wenn man selbst unsicher ist.
- Drittens gute Beispieltexte einreichen und den Chatbot Regeln daraus ableiten lassen.
Als konkretes Beispiel demonstrierte sie, wie sie bei CH Media einen Chatbot für die Textredaktion von freien Mitarbeitenden gebaut hat – durch Extraktion von Regeln aus bestehenden Dokumenten. Matthias Zehnder ergänzte den allgemein gehaltenen Redigier-Prompt der Edito Academy, der im Open Repository unter academy.edito.ch für Claude, ChatGPT und Gemini verfügbar ist und Textsorten sowie Stil abfragt und Korrekturen mit Begründungen liefert.
Learnings
Repetitive Aufgaben delegieren: Was sich wiederholt und Regeln folgt, lässt sich an einen Chatbot übergeben. Das entlastet und schafft Raum für Arbeit, die nur Menschen leisten können – Nähe, Urteil, Originalität.
Drei Wege zum funktionierenden Prompt: Regeln kennen und direkt eingeben. Oder den Chatbot nach der passenden Methode fragen. Oder Beispieltexte liefern und Regeln ableiten lassen. Alle drei Wege führen zu einem spezialisierten, zuverlässigeren Assistenten.
Erst das richtige Instrument wählen: Chatbots eignen sich für Aufgaben, die mit Wahrscheinlichkeiten beantwortet werden können. Für Recherche, bei der Fakten stimmen müssen, sind sie nicht geeignet. Die Frage «Ist der Chatbot das richtige Tool?» muss vor jeder Aufgabe gestellt werden.
Verantwortung nicht delegieren: Wer keine Expertise hat, Antworten zu prüfen, oder wer die Verantwortung nicht übernehmen kann, wenn etwas schiefgeht, sollte den Chatbot für diese Aufgabe nicht einsetzen. Das Flussdiagramm endet dann bei «Finger weg».
Halluzinationen sind ein Feature, kein Fehler: Ein Chatbot kann gar nicht anders, als «Fehler» zu machen, weil er mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Wer das weiss, geht richtig damit um: Alles prüfen, immer.
80:20 als Leitprinzip: Die KI übernimmt 80 Prozent der Arbeit – das Redigieren, Strukturieren, Formatieren. 20 Prozent bleiben beim Menschen: die Kontrolle, das Urteil, die Verantwortung. Wer dieses Verhältnis vergisst, produziert unkontrollierten Output.
Chatbots sparen Zeit nur, wenn man ihre Grenzen kennt: Verifikation kostet Zeit. Wenn man zu viel verifizieren muss, weil der Chatbot falsch eingesetzt wird, spart man nichts – man schafft neuen Stress.
Redigier-Prompt im Open Repository: Der allgemeine Redigier-Prompt der Edito Academy fragt Textsorte und Stil ab, prüft den Text und liefert Korrekturen mit Begründungen. Er ist kostenlos verfügbar unter academy.edito.ch – für Claude, ChatGPT und Gemini.
Referentin: Alexandra Stark
Datum: Donnerstag, 26. März 2026
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